Donnerstag, 05. Februar 2026

S Stellungnahmen

Schuljahr 2020/21 unter Corona-Bedingungen

Sehr geehrter Herr Minister Prof. Dr. Lorz,
das Schuljahr 2020/21 hat begonnen und steht weiterhin unter dem Zeichen der weltweiten Pandemie.
Wie im letzten Jahr setzen wir uns gemeinsam dafür ein, dass Schule gelingen und die Schülerinnen und Schüler zu guten Abschlüssen gebracht werden können.
Aber wir sehen zugleich große Schwierigkeiten, bei deren Bewältigung wir um rechtzeitige und ausreichende Unterstützung bitten.
Es handelt sich um folgende Punkte:

  • Der Leitfaden des HKM für den Schulbetrieb im Schuljahr 2020/2021 zur flexiblen Reaktion auf die Corona-Lage enthält aus unserer Sicht einige zu problematisierende Passagen. Vor allem die Oberstufen sind aufgrund der stark ausgefächerten Kurssituation und fester Stundenplanleisten hierbei nicht in der Lage, feste Kohorten darzustellen. Von daher drohen schon bei einzelnen Corona-Fällen sofortige Jahrgangs- oder Schulschließungen. Bitte geben Sie den Schulen mit Oberstufen hier zusätzlichen Entscheidungsspielraum.
  • Im Moment sind die Pausenhöfe noch gut nutzbar und eine fast ständige Lüftung der Unterrichtsräume ist möglich. Im Herbst und Winter wird beides oft nicht gegeben sein. Wir bitten um rechtzeitige Flexibilisierung, um zu viel Gedränge (mit Abstandsverstößen) im Gebäude zu vermeiden. Außerdem bitten wir – unter Einbeziehung der Schulträger – um eine Ausstattung mit Luftbefeuchtern oder ähnlicher Unterstützung, um der trockenen und infektionsfördernden Raumluft im Winter entgegen zu wirken.
    Viele Schulen handeln äußerst verantwortungsvoll im Umgang mit Corona. Wir wünschen uns deshalb, sie in ihrer Eigenverantwortlichkeit zu stärken und ihnendamit an den konkreten Alltag und die Situation vor Ort angepasste Lösungen zu ermöglichen.
  • Die im Kontext des Erlasses zur Studien- und Berufsorientierung verbindlichen Praktika sind schon unter normalen Bedingungen eine große Belastung an Zeit und Ressourcen. Unter Corona-Bedingungen ist es für uns nicht vorstellbar, ganze Jahrgänge ausschwärmen zu lassen. Die Schulleitungen müssen für die Einhaltung der Hygieneregeln einstehen, dies können wir für fremde Standorte (Praktikumsplätze) nicht gewährleisten. Bitte gewähren Sie für 2020/2021 eine Aussetzung der Praktika. Die Schulen werden gewiss intern Ersatzangebote organisieren können.
    In diesem Zusammenhang geben wir auch zu bedenken, dass Rückmeldungen aus den Unternehmen und unserer Schülerinnen und Schüler ergeben, dass eine große Zurückhaltung bei der Vergabe von Praktikumsplätzen besteht (weil dort hygiene-konforme Möglichkeiten nicht vorhanden sind und zudem erhebliche ökonomische Probleme bestehen), so dass in keiner Weise ausreichend Plätze zur Verfügung stehen (vor allem nicht in strukturschwächeren Regionen).
  • Der Ringtausch im Landesabitur 2020/21 führt ähnlich wie die Organisation der Praktika zu einer großen zusätzlichen Belastung, weshalb wir hier (s.o.) ebenso um eine Aussetzung für 2020/2021 bitten.
  • Wichtige Informationen, die für eine gute Beratung und für gute Planungen unerlässlich sind, stehen aktuell aus. Dazu gehören u.a. Informationen zur (inhaltlichen) Gestaltung der Q1 oder zu weiteren Regelungen für die Abiturprüfungen 2021 und 2022 (hier u.a. zur Anzahl der Unterkurse). Diese Informationen sollten rechtzeitig in den Schulen ankommen.
  • Gerade die Änderung der Unterkurswertung in den Sommerferien hat dazu geführt, dass wir Schülerinnen und Schüler vor den Ferien über eine Regelung informiert haben, die wenig später nicht mehr galt. So haben z.B. Schülerinnen und Schüler die Schule mit dem schulischen Teil der Fachhochschulreife abgeschlossen, die bei aktueller Erlasslage geblieben wären.
  • Durch die unterschiedliche Corona-Lage werden manche Schulen mit größerem Ausfall kämpfen müssen. Wir bitten zeitnah um einen Erlass, der eine diesbezügliche Flexibilisierung ggf. auch im Kontext des Einführungserlasses mit einbezieht. Dies würde uns vor juristischen Anfechtungen nach Durchführung der schriftlichen oder mündlichen Prüfungen bewahren.
  • Die Buchung von Studienfahrten für das Schuljahr 2021/22 ist mit großen Unsicherheiten verbunden. Hier würden wir uns Unterstützung durch die Juristen des Ministeriums und der Schulämter erhoffen, die die Last von den Schulen und den einzelnen Lehrkräften nehmen.
  • Wir begrüßen es sehr, dass die Voraussetzungen für besseres digitales Lernen intensiv geschaffen werden sollen. Dies geschieht – z.B. je nach Schulträger etc. – auf sehr unterschiedliche Weise. Es ist unerlässlich (auch zur Einhaltung der ministerialen Vorgaben), dass die angekündigten Hard- und Software-Ressourcen in den Schulen ankommen. Dies schließt Schülerrechner ebenso ein wie die Geräte für die Lehrkräfte (Tablets u.a.).
  • Abschließend würden wir es sehr begrüßen, vor den öffentlichen Medien von schulorganisatorisch relevanten Modifizierungen oder Neuerungen zu erfahren, nicht zuletzt um in Kommunikation mit unseren Schulgemeinden versiert und korrekt informieren und argumentieren zu können.
    In diesem Sinne sollten z.B. auch Hygienekonzepte rechtzeitig und mit Vorlauf vorlie

Wir bitten Sie um eine Rückmeldung zu unseren Bedenken und stehen Ihnen für Gespräche jederzeit zur Verfügung.


Mit herzlichen Grüßen
Stefan Alsenz

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Verband der Direktorinnen und Direktoren von Schulen mit gymnasialem Bildungsgang in Hessen